Scientific Leadership - Vierter Career Talk am DIfE

Neben der Leitung einer eigenen Forschungsgruppe auch die Geschicke eines Forschungsinstituts zu lenken, braucht Mut und Entscheidungswillen. Über die Herausforderungen und Erfahrungen, die dabei entstehen, berichteten Prof. Dorothea Fiedler, Geschäftsführende Direktorin am Berliner Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) und Prof. Tilman Grune, Wissenschaftlicher Vorstand am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE), beim vierten gemeinsamen Career Talk des Kompetenzclusters NutriAct und des DIfE.

Collage aus zwei Porträtfotos von Prof. Dorothea Fiedler (li.) vom Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie und Prof. Tilman Grune (DIfE) vom DIfE, die Gäste beim 4. Career Talk zum Thema Scientific Leadership.

Prof. Dorothea Fiedler vom Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie und Prof. Tilman Grune vom DIfE waren die Gäste beim 4. Career Talk zum Thema Scientific Leadership.

Durch die knapp zweistündige virtuelle Veranstaltung, an der 26 junge Forschende vom DIfE und den Kompetenzclustern NutriAct, enable und DietBB teilnahmen, führten die Nachwuchswissenschaftlerinnen Dr. Martina Klost, Wissenschaftlerin an der TU Berlin im NutriAct-Teilprojekt „Neue Produkte“ und Dr. Jana Raupbach, Wissenschaftlerin in der Abteilung Molekulare Toxikologie am DIfE.

Unterstützung auf dem wissenschaftlichen Karriereweg

Gute Mentoren sind ein entscheidender Faktor auf dem Weg nach oben und können wichtige Vorbilder für den Karriereweg sein. So fühlte sich Prof. Fiedler schon während ihrer Promotion im Fachgebiet Metallorganische Chemie gut aufgehoben bei ihren sehr erfahrenen Betreuern. Auch während ihrer Postdoc-Zeit war sie sehr beeindruckt von ihrem Mentor, der seine Leidenschaft fürs Forschen und seine Familie mit drei Kindern gut miteinander vereinbaren konnte.

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist laut Fiedler gerade in der heutigen Zeit ein ausschlaggebendes Argument, damit talentierte Wissenschaftlerinnen nicht die Wissenschaft verlassen, nur weil sie eine Familie gründen. „Systemische Barrieren müssen verhindert werden und die Vereinbarkeit von wissenschaftlicher Tätigkeit und Familie mit Kindern sollte heute kein Problem mehr sein“, ergänzte Grune, der selbst Vater von drei mittlerweile erwachsenen Töchtern ist.

Für Prof. Grune waren die Ratschläge seiner Mentoren ebenfalls besonders wertvoll. So empfahlen sie ihm beispielsweise, sich bei der Organisation großer Konferenzen zu engagieren und sich damit schon früh ein gutes Netzwerk in der Forscherszene aufzubauen – Tipps, die sich für ihn bewährt und ihn weitergebracht haben. Denn der Ausgangspunkt seiner wissenschaftlichen Karriere war stark geprägt von den Bedingungen in der ehemaligen DDR und der Wendezeit. „Da gab es leider keine Erfahrungen über den Spielraum und mögliche Alternativen“ erzählte der gebürtige Brandenburger, der in den 80-er Jahren in Moskau Medizinische Biochemie studierte und 1992 an der Humboldt Universität in Berlin promovierte.

 

Systemische Barrieren müssen verhindert werden und die Vereinbarkeit von wissenschaftlicher Tätigkeit und Familie mit Kindern sollte heute kein Problem mehr sein.
Prof. Tilman Grune, Wissenschaftlicher Vorstand am DIfE

Auslandserfahrungen sammeln

Sowohl Prof. Fiedler als auch Prof. Grune haben die Chancen für einen Auslandsaufenthalt genutzt und sich um Stipendien bemüht. So zog es Prof. Fiedler in die USA, wo sie mit finanzieller Unterstützung der Studienstiftung zunächst ein Praktikum an der University of California in Berkeley absolvierte und sich danach entschloss, dort auch ihre Doktorarbeit zu schreiben. „Das kam unerwartet und war nicht mein ursprünglicher Plan, aber ich habe mich dort wohlgefühlt und die Chance genutzt.“, erzählt die gebürtige Hamburgerin, die seit Juli 2015 das FMP in Berlin leitet. Auch Tilman Grune nutzte in den 90-er Jahren die Möglichkeit, über ein DFG-Stipendium in die USA zu kommen und am Albany Medical College in New York zu forschen. „Das war rückblickend eine sehr wertvolle Zeit. Die Kontakte in die USA bestehen nach wie vor.“

Der Career Talk, welcher gemeinsam vom NutriAct-Kompetenzcluster und dem DIfE organisiert wird, soll den Nachwuchswissenschaftler*innen Perspektiven für ihre Zeit nach der Promotion oder in der frühen Postdoc-Phase zeigen. Der erste Talk fand 2016 zum Thema "Karrierewege in den Lebenswissenschaften - Einblicke in Karriereentwicklung und berufliche Situation von promovierten Wissenschaftlern" statt. Über Karrierewege außerhalb der akademischen Forschung und Frauen in der Wissenschaft informierten die 2019 und 2020 organisierten Veranstaltungen. NutriAct bietet für den wissenschaftlichen Nachwuchs neben den Career Talks u. a. auch Summer- und Winterschools sowie LabTours an, in denen sich die Wissenschaftler*innen austauschen, vernetzen und weiterbilden können.

Keine Angst vor Entscheidungen und Rückschlägen

Aber wie schaut nun der Alltag in der Leitungsebene eines Instituts aus? Prof. Grune berichtete, dass die Arbeit auch deshalb so interessant ist, weil es keine Routine gibt. Man müsse immer Kompromisse zwischen der Position des wissenschaftlichen Vorstands und der des Abteilungsleiters finden sowie wissenschaftliche Ansprüche und administrative Möglichkeiten ausbalancieren. „Das zerreißt manchmal, weil die Interessen oft unterschiedlich sind. Und wenn man als Institutsleiter nicht 10 Probleme in 10 Minuten lösen kann, sollte man die Position wechseln,“ bemerkte er scherzhaft. Entscheidungen zu treffen gehört zum täglichen Geschäft. „Dabei sollte man Dinge niemals persönlich nehmen und sich auch Rat bei Kolleginnen und Kollegen holen“, so Dorothea Fiedler, die im ersten Jahr in ihrer Position als Institutsdirektorin an einem Workshop für Führungskräfte teilnahm.

 

Meine persönliche Strategie bei Rückschlägen ist es, an schöne und nicht arbeitsbezogene Dinge wie z. B. meine Familie zu denken.
Prof. Dorothea Fiedler, Geschäftsführende Direktorin am Berliner Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP)

Dass die Corona-Pandemie der letzten anderthalb Jahre den Arbeitsalltag der beiden stark geprägt und verändert hat, konnten beide Talk-Gäste bestätigen. Durch die wegfallenden Reisezeiten seien z. B. mehr Zeitressourcen frei geworden zum Schreiben von Anträgen und Artikeln. Beide waren sich zudem einig, dass es immer Rückschläge bei der Arbeit gibt. „Abgelehnte Publikationen und Projektanträge kann man aber auch als Chance begreifen“, meinte Prof. Grune, der lieber auf mehrere Projekte setzt, um Misserfolge in dem einen Projekt durch Erfolge in einem anderen auszugleichen. „Meine persönliche Strategie bei Rückschlägen ist es, an schöne und nicht arbeitsbezogene Dinge wie z. B. meine Familie zu denken. Damit kann ich gut den Blick auf das große Ganze bewahren und die Misserfolge leichter relativieren“, teilte Prof. Fiedler den Zuhörenden mit.

Fünf Tipps für die Nachwuchsforschenden

„Einen Einblick in die persönliche Karriereentwicklung von Dorothea Fiedler und Tilman Grune zu bekommen, war sehr inspirierend“, teilte ein*e Teilnehmer*in dem Organisationsteam um Dr. Stefanie Blankenburg, Leiterin der NutriAct-Geschäftsstelle und Dr. Petra Wiedmer, Vorstandsreferentin am DIfE, nach der Veranstaltung mit.

Besonders folgende Hinweise seien nützlich gewesen für die jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler:

1. Der Karriereverlauf hat ein stochastisches und ein persönliches Element:

  • stochastisch: entweder man trifft die richtigen Personen oder nicht
  • persönlich: entweder man nutzt seine Chancen oder nicht

2. Strategische Entscheidungen für die akademische Karriere treffen:

  • Ist mein Forschungsthema abhängig von teurer Ausrüstung?
  • Was kann ich mit den Methoden erreichen, die ich beherrsche? Brauche ich womöglich andere?
  • Kann ich mit diesen beiden Bedingungen ein eigenes Labor und Forschungsthema aufbauen?

3. Wenn das Ziel besteht, in die akademische Forschung zu gehen, am besten in den Deutschen Hochschulverband eintreten und dessen sehr gutes Qualifizierungsangebot nutzen.

4. Schon früh mit dem Netzwerken beginnen: sich einladen lassen für wissenschaftliche Vorträge (z.B. Institutskolloquien, Bewerbungen), andere Wissenschaftler und Unis kennenlernen, Kongresse nutzen

5. Niemals den Spaß an der Wissenschaft, den Glauben an sich selbst und den Mut verlieren. Die Chancen, die sich bieten, sollte man ergreifen.


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Dr. Petra Wiedmer

Referentin des Wissenschaftlichen Vorstands

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