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Bundesforschungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka zu Gast am DIfE: (v.l.n.r.) Dr. Steffen Kammradt (ZukunftsAgentur Brandenburg GmbH), Staatssekretär Hendrik Fischer (Ministerium für Wirtschaft und Energie Land Brandenburg), Prof. Dr. Tilman Grune (DIfE), Dipl.-Ing. Olaf Bauermann (IGV GmbH), Dr. Claudia Herok (Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur Land Brandenburg), Prof. Dr. Tanja Schwerdtle (Institut für Ernährungswissenschaft an der Universität Potsdam), Dr. Andrea Ode ( NutriAct − Kompetenzcluster Ernährungsforschung Berlin-Potsdam) Foto: BMBF/Hans-Joachim Rickel

Bundesforschungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka im Gespräch mit Wissenschaftlern der Abteilung Molekulare Toxikologie (Foto: BMBF/Hans-Joachim Rickel)

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Stand: 15.07.2018 23:14:09

Bundesforschungsministerin Johanna Wanka besucht Deutsches Institut für Ernährungsforschung

Pressemitteilung vom 01.08.2016

Potsdam-Rehbrücke – Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Prof. Dr. Johanna Wanka, besuchte am 01. August 2016 im Rahmen ihrer Sommerreise zusammen mit Staatssekretär Hendrik Fischer vom Brandenburgischen Ministerium für Wirtschaft und Energie das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE). Die Reise der Ministerin steht unter dem Motto: „Die Zukunft des Lebens im Alter“. Ein wichtiges Thema, das auch einen hohen Stellwert in der DIfE-Forschung einnimmt. Im Fokus des Besuchs standen insbesondere Forschungsarbeiten des 2015 gestarteten und BMBF-geförderten NutriAct − Kompetenzclusters Ernährungsforschung Berlin-Potsdam, dessen Aufgabe es ist, Ernährungsstrategien zu entwickeln, mit denen Menschen über 50 bis ins hohe Alter fit und gesund bleiben.

Die richtige Ernährung kann altersbezogenen Volksleiden wie Typ-2-Diabetes, Herzinfarkt und Schlaganfall vorbeugen und hierdurch nicht nur viel persönliches Leid verhindern, sondern auch unser Gesundheitssystem entlasten. Daher ist es das Ziel des Verbundprojekts NutriAct, unter Führung des DIfE damit zu beginnen, wissenschaftlich basierte Empfehlungen zur gesunden Ernährung im Alter zu erarbeiten, welche die Bevölkerung gut annehmen und dauerhaft umsetzen kann. Um die Umsetzung dieser Empfehlungen zu erleichtern, wollen die Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft ergänzend schmackhafte Produkte mithilfe innovativer Lebensmitteltechnologien und -konzepte entwickeln, die besonders auf die Bedürfnisse älterer Menschen abgestimmt sind.

Essen für die Gesundheit

Im Rahmen ihres Besuchs probierte Bundesministerin Wanka einige dieser Lebensmittel und ließ sich erklären, welche gesundheitsfördernden Eigenschaften sie besitzen. Zu den vorgestellten Produkten zählen zum Beispiel vom Institut für Lebensmittel- und Umweltforschung e.V. (ILU) entwickelte und der IGV Institut für Getreideverarbeitung GmbH hergestellte Proteinflakes auf Erbsenbasis. Dieses Basisprodukt ist allergen-, gluten-, gentechnik- und zusatzstofffrei und in Müsli einsetzbar. Das Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ) präsentierte darüber hinaus ein zusammen mit dem ILU entwickeltes und mit Pak Choi-Sprossen angereichertes Brot. Es weist einen besonders hohen Gehalt an sekundären Pflanzeninhaltsstoffen wie Carotinoiden, Flavonoiden und Glucosinolaten auf, denen gesundheitsfördernde Eigenschaften zugeschrieben werden. Zu den präsentierten Lebensmitteln gehörten auch Rapsöl und der Zweifachzucker Isomaltulose (PalatinoseTM), der natürlicherweise in geringen Mengen in Honig enthalten ist. Erste Pilotstudien* des DIfE haben bereits gezeigt, dass sich beide Nahrungsmittel günstig auf den menschlichen Stoffwechsel auswirken können. Nun gilt es, die Effekte der vorgestellten Lebensmittel im Rahmen von NutriAct an einer größeren Studiengruppe weiter zu erforschen und basierend auf den wissenschaftlichen Daten altersorientierte Ernährungsempfehlungen zu entwickeln.

Tomaten für ein gesundes Alter?

Darüber hinaus gaben die DIfE-Forscher einen Einblick in die Biomarker-Forschung. Biomarker sind zum Beispiel Moleküle, welche mit der Ernährungsweise und/oder dem Risiko für bestimmte Erkrankungen zusammenhängen. So ist etwa der Blutzuckerspiegel ein bekannter Biomarker für die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). In der DIfE-Abteilung Molekulare Toxikologie messen die Wissenschaftler solche Biomarker in Personengruppen, die an Muskelschwäche oder Diabetes leiden, und vergleichen die Messergebnisse mit den Biomarker-Werten gesunder Menschen. So konnten sie nachweisen, dass ältere und kranke Personen viel geringere Konzentrationen an Lycopin im Blut aufweisen als jüngere, gesunde Menschen. Lycopin, der rote Farbstoff aus der Tomate, ist ein Molekül, das freie Radikale abfängt, die ansonsten Zellen und Gewebe schädigen können. Die Forscher werden daher künftig untersuchen, ob ältere und kranke Menschen von einer Lycopin-reichen Ernährung profitieren könnten, die dazu führt, die Lycopin-Spiegel zu erhöhen. Im Rahmen von NutriAct koordiniert Frau Prof. Dr. Tanja Schwerdtle, Professorin für Lebensmittelchemie am Institut für Ernährungswissenschaft der Universität Potsdam, die Auswahl und Messungen verschiedener Biomarker in einer groß angelegten Interventionsstudie an der Zielgruppe 50plus.

 

Fünf Jahre auf einen Blick

Zudem stellten die Wissenschaftler während des Minister-Rundgangs unterschiedliche Methoden vor, die beispielsweise Aussagen über die Blutzuckerspiegel der vergangenen drei bis fünf Jahre oder das individuelle Diabetes-Risiko ermöglichen. So zum Beispiel den kürzlich überarbeiteten DIfE – DEUTSCHER DIABETES-RISIKO-TEST®, den DIfE-Wissenschaftler zusammen mit Partnern des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung beständig weiterentwickeln und optimieren. Ebenso informierten Sie über moderne Untersuchungsinstrumente, mit denen sich im Rahmen von Ernährungsstudien der Körperfettanteil und der Anteil der Muskelmasse sehr präzise feststellen lassen.

Herausforderungen der kommenden Jahre

„Eine der großen Herausforderungen der kommenden Jahre wird sein, den aufgrund des demografischen Wandels zum Teil dramatischen Anstieg der großen Volkskrankheiten wie Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in den Griff zu bekommen. Der Ernährung kommt hier eine Schlüsselstellung zu“ sagt Prof. Dr. Tilman Grune, wissenschaftlicher Vorstand des DIfE. „BMBF-geförderte Verbundprojekte wie NutriAct sind wichtig, da sie wissenschaftliche Einrichtungen bei der Vernetzung mit der Wirtschaft unterstützen. Wir brauchen eine exzellente Forschung an der Schnittstelle von Gesundheit und Ernährung, die disziplinenübergreifend die Ergebnisse der Grundlagenforschung schneller für die Wirtschaft nutzbar macht. Durch die enge Kooperation im Forschungsverbund ist dies möglich. Studienergebnisse lassen sich so viel zügiger und effektiver von heimischen Unternehmen in die Praxis umsetzen und kommen direkt der Bevölkerung zugute. Unsere Forschung entspricht damit dem Leitsatz von Leibniz: Theoria cum praxi - Wissenschaft zum Wohl und Nutzen des Menschen“ so Grune weiter.

 

* 15.02.2016:  Zucker ist nicht gleich Zucker: Isomaltulose ist für Menschen mit Typ-2-Diabetes besser geeignet als Haushaltszucker

  05.12.2014: Rapsöl verbessert im Vergleich zu Olivenöl die Cholesterin- und Leberwerte übergewichtiger Männer

 

Eine detaillierte Beschreibung der fünf Stationen des Minister-Rundgangs finden Sie hier.

 

Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Es erforscht die Ursachen ernährungsassoziierter Erkrankungen, um neue Strategien für Prävention, Therapie und Ernährungsempfehlungen zu entwickeln. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Ursachen und Folgen des metabolischen Syndroms, einer Kombination aus Adipositas (Fettsucht), Hypertonie (Bluthochdruck), Insulinresistenz und Fettstoffwechselstörung, die Rolle der Ernährung für ein gesundes Altern sowie die biologischen Grundlagen von Nahrungsauswahl und Ernährungsverhalten. Das DIfE ist zudem ein Partner des 2009 vom BMBF geförderten Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD).

Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 88 selbständige Forschungseinrichtungen. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Forschung, auch in den übergreifenden Leibniz-Forschungsverbünden, sind oder unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer, vor allem mit den Leibniz-Forschungsmuseen. Sie berät und informiert Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Einrichtungen pflegen enge Kooperationen mit den Hochschulen - u.a. in Form der Leibniz-WissenschaftsCampi, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 18.100 Personen, darunter 9.200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,6 Milliarden Euro.

NutriAct steht für Nutritional Intervention for Healthy Aging: Food Patterns, Behavior, and Products. Es ist ein Kompetenzcluster der Ernährungsforschung, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) für zunächst drei Jahre (2015-2018) mit 5,6 Millionen Euro gefördert wird. Der wissenschaftliche Vorstand des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE), Prof. Tilman Grune, leitet das Verbundprojekt, an dem über 50 Partner aus 32 Forschungseinrichtungen und Unternehmen beteiligt sind.

 

Kontakt:

Prof. Dr. Tilman Grune
Wissenschaftlicher Vorstand
Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Sprecher NutriAct – Kompetenzcluster Ernährungsforschung Berlin-Potsdam
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal/Deutschland
Tel.: 033200 88-2416
E-Mail: scientific.director@dife.de

 

Pressekontakt:

Dr. Gisela Olias
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Tel.: 033200 88-2278/-2335
E-Mail: olias@dife.de oder presse@dife.de
www.dife.de

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