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Stand: 22.07.2018 01:22:53

Neue Ergebnisse der EPIC-Studie: Starkes Übergewicht erhöht Nierenkrebsrisiko bei Frauen

Pressemitteilung vom 15.08.2005

Stark übergewichtige (adipöse) Frauen haben unabhängig von der Körperfettverteilung ein um 68% erhöhtes Risiko, an Nierenkrebs (Nierenzellkarzinom) zu erkranken. Dagegen haben adipöse Männer kein signifikant erhöhtes Nierenkrebsrisiko, allerdings ist bei ihnen die Körperfettverteilung, d. h. die Größe des Taillenumfangs und des Hüftumfangs, bedeutsam. Dies zeigen neue Ergebnisse der europaweiten EPIC (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition)-Studie, an der Epidemiologen des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) maßgeblich beteiligt sind (Pischon et al. 2005, Vol. 118, Int. J. Cancer; http://www3.interscience.wiley.com/cgi-bin/jhome/29331).


Obwohl eine Reihe älterer Studien bereits einen Zusammenhang zwischen stark erhöhtem Übergewicht und gesteigertem Nierenkrebsrisiko nachgewiesen haben, waren die bisher gewonnenen Daten bezüglich geschlechtsspezifischer Unterschiede nicht eindeutig. Darüber hinaus sind nur zwei Studien bekannt, die neben dem Einfluss des Körpergewichts an sich auch den der Körperfettverteilung genauer analysierten.
Um zur Klärung der Datenlage beizutragen, untersuchten die europäischen Wissenschaftler in der vorliegenden Studie 348 550 Personen (Frauenanteil 63%) aus 8 europäischen Ländern, wobei sie Daten zu Körpergröße, Körpergewicht, Body Mass Index (BMI, kg/m2, ein Maß für die Körpermasse), sowie Taillen- und Hüftumfang erfassten. Die Datenanalyse basiert auf einer etwa 6-jährigen Nachbeobachtungszeit, in der 287 Personen neu an Nierenkrebs erkrankten.
Die jüngsten Studienergebnisse konnten erneut einen Zusammenhang zwischen starkem Übergewicht und Nierenkrebsrisiko belegen. Darüber hinaus liefert die Studie neue geschlechtspezifische Daten. So ist interessant, dass bei Frauen nur das Gesamtkörpergewicht an sich (BMI = 30), bei Männern jedoch die Art der Körperfettverteilung eine Rolle spielt. Männer mit geringem Hüft- und größerem Taillenumfang haben im Vergleich zu gleichgewichtigen Männern ein höheres Risiko, an Nierenkrebs zu erkranken.
„Welche Mechanismen den beobachteten Zusammenhängen zwischen Körpergewicht, Körperfettverteilung und Nierenkrebs zugrunde liegen und warum das Geschlecht einen so wesentlichen Einfluss auf das Krebsrisiko hat, ist noch nicht eindeutig geklärt,“ so Professor Boeing, Leiter der Potsdamer EPIC-Studie. „Verschiedene Mechanismen, bei denen beispielsweise Hormone eine entscheidende Funktion haben, sind denkbar und werden weiterhin, auch am DIfE, erforscht.“

2507 Zeichen inklusive Leerzeichen, Abdruck gestattet, Belegexemplar erbeten

Hintergrundinformation

Das Nierenzellkarzinom ist die häufigste Form (80-90%) des Nierenkrebses. Tückischerweise verursacht die Erkrankung bei 25-60% der Patienten keinerlei Beschwerden und wird daher eher zufällig entdeckt. Zur Zeit der Diagnose haben bereits 25-30% der Patienten Metastasen. Nierenkrebs gehört in Europa mit 81 000 Neuerkrankungen pro Jahr zu den 10 häufigsten Krebsarten.

EPIC (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition)-Studie: eine prospektive, 1992 begonnene Studie, die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Krebs und anderen chronischen Erkrankungen aufdeckt. 23 administrative Zentren in zehn europäischen Ländern mit 519.000 Studienteilnehmern sind an der Studie beteiligt. Die EPIC-Studie wird von Dr. Elio Riboli (International Agency on Research of Cancer, Lyon, Frankreich) koordiniert. Die Potsdamer EPIC-Studie, an der 27.548 Frauen und Männer im Alter zwischen 35 und 65 Jahren teilnehmen, leitet Professor Dr. Heiner Boeing.

Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung (DIfE) Potsdam-Rehbrücke ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören 84 außeruniversitäre Forschungsinstitute und Serviceeinrichtungen für die Forschung. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute arbeiten interdisziplinär und verbinden Grundlagenforschung mit Anwendungsnähe. Sie sind der wissenschaftlichen Exzellenz verpflichtet und pflegen intensive Kooperationen mit Hochschulen, Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Das externe Begutachtungsverfahren der Leibniz-Gemeinschaft setzt Maßstäbe. Jedes Leibniz-Institut hat eine Aufgabe von gesamtstaatlicher Bedeutung. Bund und Länder fördern die Institute der Leibniz-Gemeinschaft daher gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 12.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und haben einen Gesamtetat von 950 Millionen Euro. Näheres unter www.leibniz-gemeinschaft.de.

Kontakt:

Dr. Gisela Olias
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
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Dr. Tobias Pischon
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Professor Dr. Heiner Boeing
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