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Stand: 20.04.2018 16:37:57

Image Klinische Ernährung

Abteilung Klinische Ernährung (KLE)

Projekte

Zusammenfassung

In unserer Abteilung untersuchen wir die Zusammenhänge zwischen den Regulationsmechanismen des menschlichen Stoffwechsels und bestimmten Nahrungsinhaltsstoffen oder Ernährungsweisen. Unser Ziel ist es, eine wissenschaftlich fundierte Basis für bessere Ernährungsstrategien und individuelle Ernährungsempfehlungen zu schaffen. So haben wir anhand einer Studie an älteren Typ-2-Diabetes-Patienten überprüft, ob pflanzliche oder tierische Eiweißquellen besser geeignet sind, die Stoffwechsellage der Patienten zu verbessern. Wie wir beobachteten, spielte die Eiweißquelle keine Rolle. Sowohl der Zuckerstoffwechsel, der Harnsäurespiegel, der Wert für den Entzündungsmarker CRP als auch die Blutfette und der Leberfettgehalt verbesserten sich erheblich mit beiden Eiweißarten.

Zudem untersuchen wir seit Kurzem die Wirkung des Darmhormons gastric inhibitory polypeptide (GIP) auf das zentrale Nervensystem, da es Adipositas (Fettsucht) sowie die Entstehung einer Fettleber fördert. Wie wir zeigen, programmiert GIP im Hypothalamus die Energieregulation, was wiederum die mitochondriale Fettverbrennung im Muskel beeinflusst. Mithilfe der Nutrigenomic Analysis in Twins (NUGAT)-Studie wiesen wir darüber hinaus nach, dass auch die Gene beeinflussen, wie wir auf Nährstoffe reagieren. So führt eine fettreiche Kost bei Trägern einer bestimmten Genvariante des Angiotensin-konvertierenden Enzyms (ACE) zu einem deutlichen Anstieg des ACE-Spiegels im Blut sowie zu einer Blutdruckerhöhung.

Ballaststoffe sind in Ernährungsstudien außerordentlich wirksam zur Prävention des Diabetes, aber auch anderer Erkrankungen wie zum Beispiel Demenz oder Infektionen. Wir untersuchten, ob eine Zufuhr von Haferballaststoffen das Auftreten eines neumanifestierten Diabetes bei Patienten mit einem Prädiabetes reduzieren kann. Hierfür erhielten knapp 200 Teilnehmer der Optimal Fiber Trial (OptiFiT)-Studie täglich 15 Gramm unlösliche Haferballaststoffe oder einen Placebo als Getränk. Die Teilnehmer wurden über 2 Jahre beobachtet und es wurden regelmäßige Kontrollen des Stoffwechsels mit Zuckerbelastungstests durchgeführt. Tatsächlich zeigte sich eine Reduktion des Diabetes-Risikos mit einer verbesserten Stoffwechselregulation. Das Diabetes-Risiko war im Vergleich zur Placebo-Gruppe in der Ballaststoffgruppe um 45 Prozent geringer. Wir befürworten deshalb eine erhöhte Zufuhr von unlöslichen, gering fermentierbaren und keine Blähung-verursachenden Getreide-Ballaststoffen. Wir halten auch eine Anreicherung von unlöslichen Ballaststoffen in Nahrungsmitteln für sinnvoll, da auch Vollkornprodukte nur 10 Prozent Ballaststoffe enthalten und eine ausreichende Ballaststoffzufuhr häufig zu einer hohen Gesamt-Kalorienaufnahme führen würde.

Menschen haben ebenso wie fast alle Lebewesen auf der Welt einen ausgeprägten zirkadianen Rhythmus, was bedeutet, dass sie zu Beginn der aktiven Phase ihren Stoffwechsel und Energieverbrauch hochfahren und ihn abends in der Ruhephase absenken. Wir untersuchten, ob es hierbei von Bedeutung ist, ob man morgens oder abends mehr Kohlenhydrate oder Fette aufnimmt. Tatsächlich zeigt sich, dass die Verwertung von Kohlenhydraten morgens erheblich effektiver ist als abends, so dass dieselbe Mahlzeit abends etwa dreifach stärkere Blutzuckeranstiege auslöst als morgens. Insbesondere für Menschen mit einem Prädiabetes führt dies zu einem Blutzuckeranstieg, der damit einen weiteren Schritt in Richtung Diabetes-Manifestation darstellt. Eine Einsparung von Kohlenhydraten am Abend ist also tatsächlich sinnvoll, vor allem, wenn man unter Übergewicht, einer Zuckerstoffwechsel- und Fettstoffwechselstörung leidet.

© 2018 DIfE - Deutsches Institut für Ernährungsforschung. Alle Rechte vorbehalten. // Stand 20.07.2017