|
26.11.10 Potsdamer Nachwuchswissenschaftler-Preis für Dr. Anne BrockhoffPotsdam-Rehbrücke - Oberbürgermeister Jann Jakobs wird im
Rahmen des heutigen „Einsteintages“ der Berlin-Brandenburgischen
Akademie der Wissenschaften den Potsdamer Nachwuchswissenschaftler-Preis
an Dr. Anne Brockhoff verleihen. Um den Nachwuchswissenschaftler-Preis hatten sich in diesem Jahr 15 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beworben. Die eingereichten Arbeiten wurden von einer fünfköpfigen Jury unter Vorsitz des Oberbürgermeisters Jann Jakobs gesichtet und bewertet. Der Jury gehörten Prof. Dr. Rolf Emmermann vom Deutschen GeoForschungsZentrum, Prof. Dr. Heinz Kleger von der Universität Potsdam/Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Prof. Dr. Reinhold Kliegl von der Universität Potsdam/Institut für Psychologie, Prof. Dr. Reinhard Lipowsky vom Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung sowie Prof. Dr. Bernd Müller-Röber von der Universität Potsdam/Institut für Biochemie und Biologie an. Prof. Dr. Lipowsky wird heute Abend die Laudatio für Frau Dr. Brockhoff halten. Der mit 5000 Euro dotierte Preis wurde bereits zum vierten Mal ausgeschrieben. Oberbürgermeister Jann Jakobs hebt hervor: „Mit diesem Preis möchte die Landeshauptstadt den Stellenwert von Wissenschaft und Forschung als unverwechselbaren Bestandteil der Marke Potsdam hervorheben und junge Menschen an unsere Stadt binden.“ Jury-Mitglied Prof. Dr. Reinhard Lipowsky fasst die Leistungen von
Dr. Anne Brockhoff zusammen: „Frau Brockhoff hat die molekularen
Mechanismen untersucht, die dem bitteren Geschmack von Lebensmitteln
und Medikamenten zu Grunde liegen. Sie hat dabei entdeckt, dass menschliche
Bitter-Rezeptoren auf sehr viele verschiedene Bitterstoffe ansprechen
können und dabei trotzdem nur eine einzige molekulare Andockstelle
oder Bindungstasche für diese Stoffe besitzen. Außerdem hat
sie neuartige Bitterblocker identifiziert, die ein großes Anwendungspotential
bei der Geschmacksverbesserung von gesunden Lebensmitteln und Medikamenten
haben“. Damit habe Frau Dr. Brockhoff wesentliche Erkenntnisse
gewonnen, die dazu beitragen, die Mechanismen der Geschmackswahrnehmung
besser zu verstehen. Eine wichtige Voraussetzung, um zu klären,
inwieweit der Bittergeschmack die Ernährung und damit die Gesundheit
beeinflusst. „Die Leistungen von Frau Dr. Brockhoff sind außergewöhnlich
und genügen nicht nur höchsten Ansprüchen, sondern sprechen
auch für ihre Kreativität, Kompetenz und Produktivität“,
lobt Prof. Dr. Wolfgang Meyerhof seine Mitarbeiterin und ehemalige Doktorandin.
„Die von ihr erarbeiteten Erkenntnisse sind für die Weiterführung
der Forschungsarbeiten in meiner Abteilung essentiell“. Hintergrundinformationen:
Wie man heute weiß, wird der bittere Geschmack bei Menschen durch etwa zwei Dutzend Bittergeschmacksrezeptoren vermittelt. Einen dieser für die Humanernährung wichtigen Bitterrezeptoren hat Frau Dr. Brockhoff identifiziert und charakterisiert. Er wird durch Bitterstoffe aus essbaren Pflanzen aktiviert und spricht auf circa ein Viertel aller getesteten Bitterstoffe an. Dieser Befund unterstützt nachdrücklich die These, dass ‚breite Bitterstoff-Spektren’ der Bitterrezeptoren für unsere Fähigkeit verantwortlich sind, mit wenigen Rezeptoren zahllose Bitterstoffe zu detektieren. Darüber hinaus hat Frau Brockhoff die Architektur einiger verwandter Bitterrezeptoren im Detail untersucht. Sie konnte zeigen, dass diese über lediglich eine einzige Bindungstasche verfügen, in der die verschiedenen Bitterstoffe mit den Rezeptoren in Wechselwirkung treten. Dabei bestimmen nur wenige Bausteine eines Rezeptors, ob und wie stark er auf einen bestimmten Bitterstoff reagiert. Bereits kleinste Unterschiede im Inneren der Bindungstasche wirken sich auf das Wechselspiel zwischen Bitterrezeptor und Bitterstoffen aus. All diese von Frau Dr. Brockhoff ermittelten Daten tragen in einem erheblichen Maße zu einem tieferen Verständnis der Funktionsweise von Bitterrezeptoren bei und sind eine wichtige Voraussetzung für weiterführende Studien. So untersuchen die Wissenschaftler am DIfE derzeit unter anderem, inwieweit sich die bisher gefundenen genetisch bedingten Unterschiede in den Rezeptoren auf die Geschmackswahrnehmung auswirken und so letztendlich das Ernährungsverhalten beeinflussen. Darüber hinaus hat Frau Brockhoff im Rahmen ihrer Arbeit Substanzen identifiziert, die spezifisch bestimmte Bitterrezeptoren blockieren und so beispielsweise den bitteren Beigeschmack von Süßstoffen wie Saccharin vermindern. Derartige Bitterblocker sind bislang nicht in der wissenschaftlichen Literatur beschrieben worden. Sie versetzen uns jedoch in die Lage, die molekularen Mechanismen der Geschmackswahrnehmung detaillierter zu untersuchen. Darüber hinaus stellen solche Bitterblocker (bislang vergeblich) nachgefragte Werkzeuge für die Lebensmittel- und Aromastoffhersteller dar, um geschmackliche Fehlnoten in Lebensmitteln zu maskieren oder die Bitterkeit von Medikamenten zu reduzieren. Letzteres wäre gerade für Kleinkinder wichtig und könnte die Lebensqualität chronisch Erkrankter verbessern. Frau Dr. Brockhoff hat somit erfolgreich auf molekularer Ebene bislang weitestgehend unbekannte Prinzipien aufgeklärt, wie Bitterstoffe Geschmacksrezeptoren aktivieren und der Wissenschaft tiefe Einsichten in die Funktionsweise der Geschmacksrezeptoren gegeben. Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Es erforscht die Ursachen ernährungsbedingter Erkrankungen, um neue Strategien für Prävention, Therapie und Ernährungsempfehlungen zu entwickeln. Forschungsschwerpunkte sind dabei Adipositas (Fettsucht), Diabetes und Krebs. Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören zurzeit 86 Forschungsinstitute und Serviceeinrichtungen für die Forschung sowie vier assoziierte Mitglieder. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute arbeiten strategisch und themenorientiert an Fragestellungen von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung. Bund und Länder fördern die Institute der Leibniz-Gemeinschaft daher gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen etwa 16.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon sind ca. 7.100 Wissenschaftler, davon wiederum 2.800 Nachwuchswissenschaftler. Näheres unter www.leibniz-gemeinschaft.de. Pressekontakt am DIfE:Dr. Gisela Olias
|
|
||||||||||||||||||||
|
||||||||||||||||||||||
| © 2012 DIFE - Deutsches Institut für Ernährungsforschung. Alle Rechte vorbehalten. Impressum Webdesign :: Netzformat - Internetagentur Berlin //Stand: 29.11.10-07:10 |
||||||||||||||||||||||