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27.05.10
Leibniz-Kolleg Potsdam zeichnet junge Wissenschaftlerin aus
Publikationspreis geht an Henriette Kirchner
Der Publikationspreis des Leibniz-Kollegs Potsdam 2010 geht an Henriette
Kirchner vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke
(DIfE).
Fettsensor entdeckt
Übergewicht gilt weithin als zivilisatorische Folge von zu wenig
Bewegung und dauerhaft falschen Ernährungsgewohnheiten. Nur zu
gern werden die oft schwerwiegenden Folgen für das Herz-Kreislauf-System
und den Bewegungsapparat des Menschen verdrängt. Die Problemchen,
so meinen viele, lassen sich mit einer kleinen Diät und ein bisschen
Nordic Walking schon in den Griff bekommen: alles nur eine Frage des
Willens. Doch was ist eigentlich mit den körpereigenen Mechanismen?
Wie entsteht Übergewicht, was passiert dabei genau im Körper?
Die Arbeit von Wissenschaftlern wie Henriette Kirchner setzt genau hier
an.
Ihre Versuche haben gezeigt, dass das Hormon Ghrelin den Appetit steigert
und es damit auch für Übergewicht verantwortlich sein könnte.
Ein hoher Ghrelinspiegel verlangsamt zudem den Stoffwechsel, hemmt die
Fettverbrennung und fördert damit den Körperfettansatz.
Allerdings muss das Hormon Ghrelin erst einmal durch die Ankopplung
bestimmter Fettsäuren aktiviert werden. Und dafür ist das
kürzlich entdeckte Enzym Ghrelin-O-Acyl-Transferase verantwortlich,
kurz GOAT genannt.
Henriette Kirchner hat die natürliche Regulation von Ghrelin und
GOAT bei Labormäusen untersucht. In einer kürzlich in der
sehr renommierten Fachzeitschrift Nature Medicine erschienenen Veröffentlichung
beschreibt sie außerdem die Auswirkungen einer Überproduktion
oder gar des Fehlens von GOAT. Sie konnte beweisen, dass GOAT zur Aktivierung
des Hormons bestimmte Fette nutzt, die mit der Nahrung aufgenommen werden
- nicht jedoch das körpereigene Fett. Damit ist es möglich,
Ghrelin durch eine gezielte Auswahl bestimmter Nahrungsfette anzuschalten.
Kirchners Studie zeigt, dass Ghrelin bislang von der Forschung zutiefst
missverstanden wurde: Das Hormon ist nicht der klassischer Appetitmelder.
Vielmehr könnte Ghrelin als eine Art „Fettsensor“ fungieren,
um die aufgenommene Nahrung möglichst effektiv auszunutzen und
zu speichern. Die genetischen Modelle dieser Studie zeigen außerdem,
dass ein Verlust von GOAT zu einem niedrigeren Körpergewicht und
einem geringeren Körperfettanteil führt. Dies lässt den
Schluss zu, dass neuartige, GOAT-hemmende Medikamente in der Therapie
gegen Übergewicht eingesetzt werden könnten.
Die 1980 geborene Berlinerin Henriette Kirchner studierte bis 2005
Ernährungswissenschaft an der Friedrich-Schiller Universität
Jena. Nach dem Diplom wechselte sie in die USA, forschte zunächst
an der Upstate Medical University in Syracuse, New York, und von 2007
bis zum Frühjahr 2010 an der University of Cincinnati, Ohio. In
Zusammenarbeit mit dem DIfE bearbeitete sie dort ihr Promotionsprojekt
im Rahmen des internationalen Leibniz-Graduiertenkollegs „Sensorische,
endokrine und metabolische Kontrolle der Nahrungsauswahl".
Henriette Kirchner erhält den mit 2.500 Euro dotierten Publikationspreis
des Leibniz-Kollegs Potsdam für junge Nachwuchswissenschaftler.
Sie zeichnet sich durch eine hervorragende Publikationstätigkeit
und ungewöhnlich hohe Produktivität vor ihrer Promotion aus
und war darüber hinaus bereits als junge Wissenschaftlerin dazu
eingeladen, einen internationalen Übersichtsartikel zu schreiben.
Weitere Informationen:
Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke
(DIfE) ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Es erforscht
die Ursachen ernährungsbedingter Erkrankungen, um neue Strategien
für Prävention, Therapie und Ernährungsempfehlungen zu
entwickeln. Forschungsschwerpunkte sind dabei Adipositas (Fettsucht),
Diabetes und Krebs.
Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören zurzeit 86 Forschungsinstitute
und Serviceeinrichtungen für die Forschung sowie drei assoziierte
Mitglieder. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-,
Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial-
und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute
arbeiten strategisch und themenorientiert an Fragestellungen von gesamtgesellschaftlicher
Bedeutung. Bund und Länder fördern die Institute der Leibniz-Gemeinschaft
daher gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen etwa 16.100
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon sind ca. 7.100 Wissenschaftler,
davon wiederum 2.800 Nachwuchswissenschaftler.
Das Leibniz-Kolleg Potsdam vergibt einmal jährlich
einen Sonderpreis an Nachwuchswissenschaftler aus der Region Berlin-Brandenburg,
die herausragend in den Bereichen der Mathematik und Naturwissenschaften
geforscht, bedeutende wissenschaftliche Resultate erzielt haben und
nicht älter als 35 Jahre sind. Dabei wird die Qualität der
Forschung u.a. anhand von Veröffentlichungen in renommierten wissenschaftlichen
Zeitschriften und Fachmagazinen beurteilt. Der Sonderpreis ist mit 2.500
Euro dotiert und soll zur Förderung der Wissenschaft bzw. der Bildung
verwandt werden. In diesem Jahr wird er auf dem Gebiet der Astrophysik
vergeben.
www.dife.de (Informationen zum Deutschen
Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke);
www.neonresearch.com (Informationen
zur University of Cincinnati, Ohio: Metabolic Diseases Institute, Obesity
Research Center, Arbeitsgruppe von Professor Matthias Tschöp);
www.leibniz-gemeinschaft.de
(Informationen zur Leibniz-Gemeinschaft)
Presseverantwortlich:
Milde Marketing Science Communication
Merkurstraße 12
D-14482 Potsdam
Tel.: +49 (0)331 583 93 54
Fax: +49 (0)331 583 93 57
www.mildemarketing.de
Kontakt:
Dr. Gisela Olias
Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal/Deutschland
Tel.: +49(0)33 200-88 278/335
Fax: +49(0)33 200-88 503
E-Mail: olias@dife.de
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