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14.12.09 Das Risiko für Typ-2-Diabetes steigt bereits im Normalbereich des Nüchtern-Blutzuckers
Bereits vor sechs Jahren hatte die Amerikanische Diabetes Gemeinschaft empfohlen, den Grenzwert für einen gestörten Nüchtern-Blutzucker von 110 mg/dl auf den derzeit gültigen Wert von 100 mg/dl zu senken. Dabei orientiert sich der aktuelle Wert an bisherigen Forschungsergebnissen. Seit der Neuregelung im Jahr 2003 ist jedoch ein Streit unter den Experten entbrannt. Einige Mediziner halten den neuen Wert für zu niedrig, um Diabetes-Risikopersonen gezielt zu identifizieren. Wiederum andere plädieren dafür, jeglichen Schwellenwert zu streichen. Um zur Klärung dieser Streitfrage beizutragen, werteten die Wissenschaftler um Hans-Georg Joost die Daten einer 589 Personen umfassenden und nach dem Zufallsprinzip ausgewählten Teilgruppe der prospektiven Potsdamer EPIC-Studie* aus. Alle Personen der Teilgruppe waren zum Zeitpunkt der Blutentnahme nüchtern. In einem Beobachtungszeitraum von sieben Jahren erkrankten 153 der Personen an einem Typ-2-Diabetes. Die Forscher beobachteten eine nicht-lineare Beziehung zwischen den Nüchtern-Blutzucker-Werten und dem Diabetesrisiko, wobei der Anstieg des Diabetesrisikos bereits im Normalbereich begann – ab einem Nüchtern-Blutzucker-Wert von 84 mg/dl. „Ein Wert, über dem das Diabetesrisiko deutlich ansteigt, könnte einen sinnvollen Schwellenwert darstellen. Würde man allerdings den Wert von 84 mg/dl als Grenzwert verwenden, so wäre der Anteil der Menschen, die fälschlicherweise als Risikoperson eingestuft würden, mit 86,8 Prozent zu hoch. Der Wert wäre damit ungeeignet, um Hoch-Risiko-Personen zu identifizieren. Dagegen werden beim ehemaligen Schwellenwert von 110 mg/dl mehr als die Hälfte der Neuerkrankten nicht erkannt“, sagt Matthias Schulze, Erstautor der Studie. Nach der vorliegenden Studie liegt der statistisch optimale Cut-off bei einem Wert von 102 mg/dl. Dieser Wert kommt dem derzeitigen Grenzwert von 100 mg/dl sehr nahe. „Eine Klassifizierung nach dem derzeit festgelegten Grenzwert erscheint uns daher günstiger zu sein, um nicht zu viele Personen mit einem erhöhten Risiko von vornherein von Interventionsmaßnahmen auszuschließen“, erklärt Schulze. „Es geht uns nicht darum, einen großen Teil der Bevölkerung
für 'krank' zu erklären, sondern darum, die notwendige Prävention
sinnvoll anzuwenden“, kommentiert Hans-Georg Joost. „Da
unsere Daten auch nahe legen, dass eine genauere Risiko-Differenzierung
über einen weiten Wertebereich des Nüchtern-Blutzuckers möglich
ist, sollte jeder präventiven Maßnahme eine ärztliche,
detaillierte Risikobestimmung vorangehen. Hierfür könnte der
von uns entwickelte Deutsche Diabetes-Risiko-Test** um die Variable
‚Nüchtern-Blutzucker’ erweitert werden. Darüber
hinaus wäre der Test auch zur Erfolgskontrolle von Präventionsmaßnahmen
geeignet.“ Hintergrundinformationen:Typ-2-Diabetes (auch als Alterszucker oder -diabetes bekannt) ist eine Stoffwechselerkrankung, bei welcher der Körper das selbstproduzierte Insulin nicht ausreichend nutzen kann. Dadurch wird der Blutzuckerspiegel erhöht. Ein Typ-2-Diabetes entwickelt sich schleichend über Jahre, wobei Gefäße und Augen bereits frühzeitig geschädigt werden können. Zu den schweren Folgeschäden zählen: Herzinfarkt, Schlaganfall, Blindheit, ein Verlust von Gliedmaßen oder Nierenversagen. Die *Potsdamer EPIC (European Prospective Investigation into
Cancer and Nutrition)-Studie mit mehr als 27.500 Studienteilnehmern/innen
im Erwachsenenalter leitet Heiner Boeing vom Deutschen Institut für
Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE). Sie ist Teil
der Gesamt-EPIC-Studie. Die EPIC-Sudie ist eine prospektive, 1992 begonnene
Studie, die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Krebs und anderen
chronischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes untersucht. An der EPIC-Studie
sind 23 administrative Zentren in zehn europäischen Ländern
mit 519.000 Studienteilnehmern beteiligt. **Informationen zum erweiterten Deutschen Diabetes-Risiko-Test
finden Sie im Internet unter: Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke
(DIfE) ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Es erforscht die Ursachen
ernährungsbedingter Erkrankungen, um neue Strategien für Prävention,
Therapie und Ernährungsempfehlungen zu entwickeln. Forschungsschwerpunkte
sind dabei Adipositas (Fettsucht), Diabetes und Krebs. Kontakt:Prof. Dr. Dr. Hans-Georg Joost Prof. Dr. Matthias Schulze Dr. Gisela Olias
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