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12.11.09 Kohlenhydrate schädigen Insulin-produzierende Zellen durch oxidativen Stress
Bereits vor zwei Jahren beobachtete eine Forschergruppe um Hans-Georg Joost, wissenschaftlicher Direktor des DIfE, dass eine kohlenhydratfreie Diät zumindest dicke Mäuse vor Diabetes schützt. Al-Hasani und sein Team führten nun die Studie fort und untersuchten die zugrunde liegenden molekularen Mechanismen. Zunächst fütterten sie Tiere eines zu Übergewicht neigenden Mausstamms mit unterschiedlichen Diäten: Die erste Gruppe erhielt ein fettreiches Futter mit Kohlenhydraten. Die zweite Gruppe erhielt ein fettreiches Futter ohne Kohlenhydrate. Dabei durften die Tiere so viel fressen und trinken wie sie wollten. Unabhängig von der Diät nahmen die Mäuse in beiden Gruppen deutlich zu und waren nach 17 Wochen in gleichem Maße übergewichtig. Hinsichtlich des Gesundheitsstatus unterschieden sich die Tiere jedoch deutlich. Die meisten Mäuse, welche gleichzeitig viel Fett und Kohlenhydrate fraßen, wiesen bereits nach acht Wochen übermäßig hohe Blutzuckerwerte auf – ein Anzeichen für einen beginnenden Diabetes. In der 17. Woche waren etwa zwei Drittel dieser Tiere an einem Diabetes erkrankt. Dagegen blieben die kohlenhydratfrei ernährten Nager von hohen Blutzuckerwerten und der Erkrankung verschont. Wie Untersuchungen der Insulin-produzierenden Zellen beider Maus-Gruppen zeigen, beeinflussen die aufgenommenen Kohlenhydrate die Aktivierung von 39 erst kürzlich entdeckten Genen, die auch beim Menschen mit der Diabetesentstehung in Zusammenhang gebracht werden. Etwa 80 Prozent dieser Gene wurden stärker exprimiert, d.h. verstärkt abgelesen. Dabei handelt es sich besonders um solche, die den oxidativen Stoffwechsel in den Mitochondrien stimulieren. Mitochondrien sind die „Energiekraftwerke“ der Zellen. „Die Stimulation des oxidativen Stoffwechsels führt zu einer übermäßigen Bildung von reaktiven Sauerstoffverbindungen, so genannten reactive oxygen species (ROS) und damit zu oxidativem Stress“, erklärt Studienleiter Al-Hasani. „Der Stress lässt die Zellen schneller altern und damit auch früher sterben. Damit zeigen unsere Daten, dass Kohlenhydrate besonders in Zusammenhang mit einer fettreichen Ernährung kritisch zu sehen sind. Sie schädigen die Insulin-produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse und begünstigen so Diabetes.“ „Die Ergebnisse können sicher nicht direkt in Ernährungsempfehlungen
umgewandelt werden, da eine kohlenhydratfreie, fettreiche Ernährungsweise
für Menschen nachteilig und auch nicht praktikabel ist“,
sagt Koautor Joost. „Dennoch sollten wir in unseren Ernährungsempfehlungen
ein größeres Gewicht auf die Effekte der Kohlenhydrate legen.
Mit anderen Worten: Personen mit erhöhtem Diabetes-Risiko sollten
Vollkornbrot statt Weißbrot essen, da hierdurch ein schneller
und übermäßiger Anstieg der Blutzuckerwerte vermieden
werden kann.“ Hintergrundinformationen:Typ-2-Diabetes:Etwa 85-95 Prozent der Menschen mit Diabetes leiden an einem Typ-2-Diabetes. Der Typ-2-Diabetes verläuft zu Beginn meist ohne Anzeichen und wird häufig erst mit jahrelanger Verzögerung erkannt. Er führt oft zu schwerwiegenden Komplikationen, wie Erblinden, Nierenversagen und Amputation von Gliedmaßen. Zudem sterben Menschen mit Diabetes früher, vor allem an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Kohlenhydrate und glykämischer Index (GI): Kohlenhydrate zählen zu den Grundnährstoffen. Zu ihnen gehören
alle Zucker- und Stärkearten und die meisten Ballaststoffe. Die
Aufnahme von Kohlenhydraten erhöht vorübergehend den Blutzuckerspiegel.
Besonders Traubenzucker oder Lebensmittel wie Weißbrot lassen
den Blutzuckerspiegel rasch ansteigen. Ein Maß für die Blutzuckererhöhung,
die durch ein Nahrungsmittel ausgelöst wird, ist der glykämische
Index (GI). Die bisherigen Daten lassen annehmen, dass eine Diät
mit niedrigem GI das Risiko für Diabetes und kardiovaskuläre
Erkrankungen senken kann. Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke
(DIfE) ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Es erforscht
die Ursachen ernährungsbedingter Erkrankungen, um neue Strategien
für Prävention, Therapie und Ernährungsempfehlungen zu
entwickeln. Forschungsschwerpunkte sind dabei Adipositas (Fettsucht),
Diabetes und Krebs. Kontakt:PD Dr. Hadi Al-Hasani Prof. Dr. Dr. Hans-Georg Joost Dr. Gisela Olias
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