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13.07.09
Lösliche Ballaststoffe machen Mäuse dick
Potsdam-Rehbrücke – Wie Wissenschaftler des Deutschen Instituts
für Ernährungsforschung (DIfE) in einer Langzeitstudie an
Mäusen zeigen, führen zusätzlich zu einer fettreichen
Diät verzehrte, lösliche Ballaststoffe zu einer Zunahme des
Körperfetts, zu Übergewicht und zu einer Insulinresistenz
- die Vorstufe der Zuckerkrankheit. Dagegen wirkt eine zusätzliche
Aufnahme unlöslicher Ballaststoffe dieser ungünstigen Entwicklung
entgegen. Die neuen Daten tragen dazu bei, noch unbekannte Mechanismen
aufzuklären, die der Langzeitwirkung von Ballaststoffen zugrunde
liegen. Zudem liefern sie wichtige Informationen für die Entwicklung
funktioneller Lebensmittel.
Die Forschergruppe publizierte ihre Ergebnisse kürzlich in der
Fachzeitschrift Journal of Nutritional Biochemistry (Isken et al., 2009,
doi:10.1016/j.jnutbio.2008.12.012).
Übergewicht und Alterszucker stellen in unserer heutigen Gesellschaft
ein zunehmendes Gesundheitsproblem dar. Daher arbeiten DIfE-Forscher
unter anderem daran, wissenschaftliche Grundlagen für funktionelle
Lebensmittel zu entwickeln, die Menschen dabei helfen können normalgewichtig
und damit gesünder zu bleiben.
Verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen weisen darauf hin, dass
ein hoher Ballaststoffverzehr Übergewicht und Alterszucker entgegenwirken
könnte. Dies brachte die Studienleiter Frank Isken und Martin O.
Weickert auf die Idee, die langfristigen Stoffwechseleffekte und Wirkmechanismen
von Ballaststoffen am Tiermodell genauer zu untersuchen. „Der
Vorteil des Tiermodells ist, dass sich hier die Versuchsbedingungen
besser kontrollieren lassen als in Humanstudien“, sagt Isken.
Bei ihren Versuchen differenzierten die Forscher zwischen löslichen
und unlöslichen Ballaststoffen, da diesen beiden Gruppen unterschiedliche
Eigenschaften zugesprochen werden.
Die Forscher fütterten zu Übergewicht neigende Mäuse
mit einer fettreichen Diät (Western-Style-Diät). Zusätzlich
erhielten die Mäuse entweder lösliche oder unlösliche
Ballaststoffe. Über einen Zeitraum von 45 Wochen maßen die
Forscher in regelmäßigen Abständen die Gewichtszunahme
sowie die Körperfettverteilung der Tiere.
Am Ende wogen die mit den löslichen Ballaststoffen gefütterten
Tiere 8,2 Gramm mehr als ihre Artgenossen. „Würde man diese
Gewichtszunahme in Relation zu einer 60 Kilogramm schweren Person setzen,
so hätte diese am Ende stattliche 16 Kilogramm mehr auf die Waage
gebracht“, erklärt Weickert.
Darüber hinaus untersuchten die Wissenschaftler auch den Zucker-
und Insulinstoffwechsel der Mäuse und analysierten verschiedene
molekulare Faktoren. Die Insulinempfindlichkeit der mit den löslichen
Ballaststoffen gefütterten Mäuse nahm mit steigendem Körpergewicht
ab – ein Anzeichen für eine entstehende Zuckererkrankung.
Zudem stieg durch die bakterielle Umwandlung der löslichen Ballaststoffe
die Konzentration der kurzkettigen Fettsäuren im Darm stark an.
„Obwohl diesen Fettsäuren in der Regel günstige Eigenschaften
zugeschrieben werden, tragen sie aber auch deutlich zur Gesamtenergiezufuhr
bei, was die beobachtete Körperfettzunahme erklären könnte“,
erläutert Weickert. Zudem sei bekannt, dass kurzkettige Fettsäuren
auch am Fettaufbau beteiligt sind. Ein Effekt, den die Forscher auch
in der aktuellen Studie beobachten konnten.
Die mit den unlöslichen Ballaststoffen gefütterten Tiere
waren dagegen insulinempfindlicher und wiesen eine geringere Leberverfettung
auf. Ebenso produzierten diese Tiere geringere Mengen der molekularen
Faktoren, die den Fettaufbau fördern.
„Besonders die von uns beobachtete Körperfettzunahme und
die Insulinunempfindlichkeit könnten die aus anderen Studien bekannten,
positiven Effekte einer Kurzzeiteinnahme löslicher Ballaststoffe
wieder aufheben“, sagt Weickert. „Die Langzeiteinnahme unlöslicher,
nicht fermentierbarer Getreideballaststoffe könnte sich dagegen
günstig auf das Körpergewicht und das Diabetesrisiko auswirken“.
Langzeit-Stoffwechselstudien am Menschen seien nun dringend notwendig,
um diese ersten Ergebnisse zu untermauern, sagt Andreas F. H. Pfeiffer,
Leiter der DIfE-Abteilung Klinische Ernährung. Sollten sich die
Ergebnisse bestätigen, könne man dieses Wissen einsetzen,
um funktionelle Lebensmittel zu entwickeln.
Hintergrundinformation:
Der Oberbegriff Ballaststoffe umfasst eine relativ große Gruppe
verschiedener Substanzen, die sich sowohl in lösliche als auch
unlösliche Ballaststoffe aufteilen lässt.
Zu den löslichen Ballaststoffen gehören beispielsweise Pektine.
Lösliche Ballaststoffe bilden einen viskösen Schleim, der
sowohl die Magenentleerung als auch die Aufnahme von Zuckern verlangsamen
kann. Zudem kann er Fette binden und dadurch den Fettstoffwechsel positiv
beeinflussen. Darmbakterien wandeln die für Menschen unverdaulichen
Ballaststoffe in kurzkettige Fettsäuren um. Diese Fettsäuren
tragen vermutlich dazu bei, das Darmkrebsrisiko zu senken, dienen aber
auch als Nahrungsgrundlage für Darmbakterien, vor allem Milchsäurebakterien.
Zu den unlöslichen Ballaststoffen zählen vor allem pflanzliche
Gerüst- und Stützsubstanzen. Sie gelangen als Partikel in
den Dickdarm, wo sie zum Teil von Bakterien fermentiert werden. Zum
Teil verlassen sie den Körper aber auch unverdaut. Sie binden im
Dickdarm Wasser, wodurch der Speisebrei quillt und weicher wird. Die
Darmbewegung wird hierdurch gefördert und die Transitzeit des Stuhls
verkürzt.
Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke
(DIfE) ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Es erforscht die Ursachen
ernährungsbedingter Erkrankungen, um neue Strategien für Prävention,
Therapie und Ernährungsempfehlungen zu entwickeln. Forschungsschwerpunkte
sind dabei Adipositas, Diabetes und Krebs.
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und Serviceeinrichtungen für die Forschung sowie drei assoziierte
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arbeiten strategisch und themenorientiert an Fragestellungen von gesamtgesellschaftlicher
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