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11.05.09
Ein hohes Typ-2-Diabetes-Risiko verkürzt die Lebenserwartung um
13 Jahre
Potsdam-Rehbrücke - Menschen mit einem stark erhöhten Risiko
für Typ-2-Diabetes (Alterszucker) erkranken fast dreimal so häufig
an einem Herzinfarkt und ihre Lebenserwartung ist um etwa 13 Jahre verkürzt
– und dies unabhängig von Alter und Geschlecht. Ebenso erleiden
sie fast doppelt so häufig einen Schlaganfall, wie Menschen mit
sehr geringem Risiko. Dies sind die Ergebnisse der Potsdamer EPIC*-Studie,
die die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Krebs, Typ-2-Diabetes
und Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht. Studienleiter ist Heiner
Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke
(DIfE).
Die an der Studie maßgeblich beteiligten Wissenschaftler, zu
denen auch Matthias Schulze, von der Technischen Universität München,
und Christin Heidemann, vom Robert-Koch-Institut in Berlin, gehören,
veröffentlichten kürzlich ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift
European Journal of Epidemiology (Heidemann C. et al., 2009, DOI 10.1007/s10654-009-9338-7).
Bereits im Jahr 2007 entwickelten DIfE-Wissenschaftler basierend auf
den Daten der Potsdamer EPIC-Studie den Deutschen Diabetes-Risiko-Test.
Mit diesem Test kann jeder Erwachsene auf einfache aber sehr präzise
Weise sein persönliches Risiko bestimmen, in den nächsten
fünf Jahren an einem Typ-2-Diabetes zu erkranken. Die Anwendung
des Tests erfordert weder eine ärztliche Untersuchung noch die
Analyse von Blutproben, da lediglich Angaben zu Alter, Taillenumfang,
Ernährungsgewohnheiten und Lebensstil gemacht werden müssen.
Mit der vorliegenden Studie gingen die Wissenschaftler den folgenden
Fragen nach: Haben Personen, die laut Diabetes-Test eine erhöhte
Erkrankungswahrscheinlichkeit für Typ-2-Diabetes besitzen, auch
ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen? Und gibt
es auch einen Zusammenhang zwischen dem Testergebnis und dem Sterblichkeitsrisiko?
Hierzu werteten die Forscher die Daten von 23.455 Frauen und Männern
im Alter zwischen 35 und 65 Jahren aus. Dabei verglichen sie die Werte
von Teilnehmern mit einer niedrigen Erkrankungswahrscheinlichkeit für
Diabetes von unter einem Prozent, mit den Werten von Personen mit einer
höheren Erkrankungswahrscheinlichkeit. Im Extremfall betrug diese
über zehn Prozent.
Mit steigender Erkrankungswahrscheinlichkeit für Diabetes, erhöhte
sich auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie das
Sterblichkeitsrisiko. So hatten Personen mit sehr hohen Werten im Diabetes-Risiko-Test
unabhängig vom Alter ein 2,7fach erhöhtes Herzinfarkt- sowie
ein 1,9fach erhöhtes Schlaganfall-Risiko. Zudem war ihr Sterblichkeitsrisiko
um das 2,4fache erhöht, was einer um 13 Jahre verkürzten Lebenserwartung
entspricht.
„Wie unsere Untersuchung zeigt, sind die Ergebnisse des Deutschen
Diabetes-Risiko-Tests auch mit anderen Erkrankungsrisiken assoziiert“,
erklärt Matthias Schulze. So seien Personen, die höhere Diabetes-Testwerte
erzielten, ebenfalls stärker gefährdet, einen Herzinfarkt
oder Schlaganfall zu erleiden und hierdurch vorzeitig zu sterben. Dass
diese Zusammenhänge unabhängig vom Alter der Person seien,
zeige, welch wichtige Rolle Übergewicht, Ernährungsgewohnheiten
und Lebensstil auch für diese Erkrankungen spielten, ergänzt
Schulze. Allerdings solle der Deutsche Diabetes-Risiko-Test nicht als
Risikotest für Herz-Kreislauf-Erkrankungen angesehen werden, dafür
sei er nicht optimiert.
*EPIC: European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition
Hintergrundinformation:
Zur vorliegenden Studie:
Von den 23.455 weiblichen und männlichen Studienteilnehmern erkrankten
während der Nachbeobachtungszeit von 8 Jahren 214 Personen an einem
Herzinfarkt. 186 Personen erlitten einen Schlaganfall. Zudem erkrankten
68 Studienteilnehmer an Kolonkrebs, 194 Personen erkrankten an Brustkrebs
und 145 Personen erkrankten an Prostatakrebs. 624 der Studienteilnehmer
starben im Beobachtungszeitraum.
Zusammenhänge zwischen erhöhten Diabetes-Risiko-Testwerten
und einem erhöhten Risiko für Brust-, Dickdarm- und Prostatakrebs
konnten die Wissenschaftler ebenfalls beobachten. Diese waren aber weitestgehend
altersabhängig.
Die Potsdamer EPIC-Studie ist eine prospektive Beobachtungsstudie.
Bei der Auswertung einer prospektiven Studie ist es wichtig, dass die
Teilnehmer/innen zu Beginn der Studie noch nicht an der zu untersuchenden
Krankheit leiden. Die Risikofaktoren für eine bestimmte Erkrankung
lassen sich so vor ihrem Entstehen erfassen, wodurch eine Verfälschung
der Daten durch die Erkrankung weitestgehend verhindert werden kann
- ein entscheidender Vorteil gegenüber retrospektiven Studien.
Der Deutsche Diabetes-Risiko-Test:
Der Test ist seit 2007 als interaktiver Online-Test und seit 2008 auch
als Fragebogen im Internet verfügbar (www.dife.de).
Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke
(DIfE) ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.
Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören zurzeit 86 Forschungsinstitute
und Serviceeinrichtungen für die Forschung sowie drei assoziierte
Mitglieder. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-,
Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial-
und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute
arbeiten strategisch und themenorientiert an Fragestellungen von gesamtgesellschaftlicher
Bedeutung. Bund und Länder fördern die Institute der Leibniz-Gemeinschaft
daher gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen etwa 14.200
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon sind ca. 6500 Wissenschaftler,
davon wiederum 2500 Nachwuchswissenschaftler.
Näheres unter www.leibniz-gemeinschaft.de
Kontakt:
Dr. Gisela Olias
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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