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25.11.08 Neuer Biomarker zur Vorhersage des Herzinfarkt- und Schlaganfallrisikos identifiziertPotsdam-Rehbrücke – Wissenschaftler des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) haben zusammen mit Ärzten der Universität Tübingen einen neuen Biomarker identifiziert, mit dem sich das Herzinfarkt- sowie das Schlaganfallrisiko vorhersagen lassen. Bei dem Biomarker handelt es sich um das Eiweißmolekül Fetuin-A, das in der Leber gebildet und ans Blut abgegeben wird. Die Forscher haben nun erstmals gezeigt, dass hohe Blutwerte des Biomarkers mit einem drei- bis vierfach höheren Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall verbunden sind. Nach ihrer Aussage könne Fetuin-A in Zukunft als neuer, unabhängiger Risikomarker für die Vorhersage von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bedeutsam werden. Die Wissenschaftler veröffentlichten ihre Ergebnisse jetzt in der angesehenen Fachzeitschrift Circulation der American Heart Association (Weikert, C. et al., 2008). „Schon vor einiger Zeit beobachteten wir, dass erhöhte Fetuin-A-Werte im Blut mit einer verminderten Insulinempfindlichkeit der Körperzellen einhergehen und auf eine verstärkte Fetteinlagerung in der Leber hinweisen,“ erklärt Ullrich Häring, Direktor der Medizinischen Klinik IV des Universitätsklinikums Tübingen. „Diese Beobachtung brachte uns auf die Idee, mit Hilfe der Potsdamer EPIC*-Studiendaten die Zusammenhänge zwischen Fetuin-A-Werten und dem Auftreten bestimmter Erkrankungen näher zu untersuchen“, ergänzt Cornelia Weikert, Erstautorin der Studie und Epidemiologin am DIfE. Vor kurzem hatte das Team aus Ärzten und Epidemiologen bereits gezeigt, dass Fetuin-A ein unabhängiger Risikomarker für den Typ-2-Diabetes ist. Nun kann es erstmals belegen, dass auch ein starker Zusammenhang zwischen Fetuin-A-Spiegeln und Herz-Kreislauf-Erkrankungen besteht und dies unabhängig von bekannten Risikofaktoren wie beispielsweise Bluthochdruck, Rauchen und Diabetes. Unabhängig von solchen Faktoren hatten Personen mit einem sehr hohen Fetuin-A-Blutwert im Vergleich zu Personen mit einem niedrigen Wert ein 3,3fach erhöhtes Herzinfarkt- beziehungsweise ein 3,8fach erhöhtes Schlaganfallrisiko. An der Potsdamer EPIC-Studie, die die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Krankheiten wie Krebs, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht, nehmen seit 1994 mehr als 27.000 Erwachsene teil. Während der durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von 8,2 Jahren erlitten 227 Studienteilnehmer einen Herzinfarkt. Bei 168 Teilnehmern diagnostizierten Ärzte einen ischämischen** Schlaganfall. „Der von uns beobachtete Zusammenhang zwischen erhöhten Fetuin-A-Spiegeln im Blut und einem erhöhten Risiko für Herzkreislauferkrankungen ist außergewöhnlich stark“, erklärt Cornelia Weikert. Daher hoffe man, Fetuin-A nicht nur als Biomarker einsetzen zu können. Man wolle Fetuin-A auch als neuen Ansatzpunkt nutzen, um die dem Herzinfarkt und Schlaganfall zugrunde liegenden pathogenen Mechanismen zu erforschen und besser zu verstehen. „Unsere Ergebnisse deuten an, dass der Leberstoffwechsel und dabei vor allem die Fettleber für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine wichtige Rolle spielt“, sagt Andreas Fritsche von der Medizinischen Klinik IV, Abteilungen Endokrinologie, Diabetologie und Angiologie des Universitätsklinikums Tübingen. Angesichts der großen Zahl von Menschen, die von Herz-Kreislauf-Erkrankungen betroffen sind, sei es dringend notwendig, die Forschung in diese Richtung zu verstärken. *EPIC: European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition Hintergrundinformation:
„Die vorliegende Studie belegt erneut den Sinn und Wert unserer engen Zusammenarbeit. Gleichsam zeigt sie, dass wir gegenseitig von den Vorarbeiten der einzelnen Forschungsgruppen profitieren und somit schneller zu Ergebnissen gelangen, die für die Vorhersage, Vorbeugung und Therapie von Stoffwechselerkrankungen von entscheidender Bedeutung sind“, kommentiert Hans-Georg Joost. Herzinfarkt: Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke
(DIfE) ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Zur Leibniz-Gemeinschaft
gehören 82 außeruniversitäre Forschungsinstitute und
forschungsnahe Serviceeinrichtungen. Diese beschäftigen etwa 14.200
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Davon sind ca. 6.500 Wissenschaftler
(inkl. 2.500 Nachwuchswissenschaftler). Leibniz-Institute arbeiten interdisziplinär
und verbinden Grundlagenforschung mit Anwendungsnähe. Sie sind
von überregionaler Bedeutung und werden von Bund und Ländern
gemeinsam gefördert. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr
als 1,1 Milliarden Euro pro Jahr. Die Drittmittel betragen etwa 230
Millionen Euro pro Jahr. Näheres unter www.leibniz-gemeinschaft.de. Kontakt:Dr. Cornelia Weikert Prof. Dr. Dr. Hans-Georg Joost Prof. Dr. Hans-Ulrich Häring Dr. Gisela Olias
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