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18.07.08 Neuer unabhängiger Diabetes-Risikomarker identifiziertPotsdam-Rehbrücke - Wissenschaftler des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) und des Universitätsklinikums Tübingen haben einen neuen unabhängigen Diabetes-Risikomarker identifiziert. Es handelt sich um das Protein Fetuin-A, das von der Leber gebildet und ins Blut abgegeben wird. Wie die Studie zeigt, weisen hohe Fetuin-A-Werte im Blut eindeutig auf ein erhöhtes Diabetesrisiko hin und dies unabhängig von Geschlecht, Alter, Taillenumfang, Body Mass Index (BMI) oder anderen bislang verwendeten Biomarkern. „Fetuin-A könnte in Zukunft als neuer, unabhängiger Risikomarker für die Diabetesprävention eine wichtige Rolle spielen“, erklärt Studienleiter Matthias Schulze. Die Wissenschaftler veröffentlichten nun ihre Ergebnisse in der angesehenen Fachzeitschrift Diabetes (Stefan, N. et al., 2008). Aufgrund von Tierstudien steht Fetuin-A schon seit längerer Zeit im Verdacht, eine Insulinresistenz auslösen zu können und so für das Entstehen eines Typ-2-Diabetes eine wesentliche Rolle zu spielen. Kürzlich durchgeführte Untersuchungen der Tübinger Forscher unterstützen diese Annahme. Sie zeigen, dass beim Menschen ein erhöhter Fetuin-A-Wert im Blut mit einer verminderten Insulinempfindlichkeit der Körperzellen einhergeht sowie auf eine verstärkte Fetteinlagerung in der Leber hinweist. Das Wissenschaftlerteam um Matthias Schulze ging daher der Frage nach, ob das Protein als ein unabhängiger Diabetes-Risikomarker genutzt werden kann. Die neue Studie zeigt nun, dass dies der Fall ist. Grundlage der vorliegenden Untersuchung bilden Daten der vom DIfE durchgeführten EPIC*-Studie in Potsdam mit mehr als 27.000 weiblichen und männlichen Teilnehmern im Erwachsenenalter. Während eines 7jährigen Beobachtungszeitraumes erkrankten 849 der Teilnehmer an Typ-2-Diabetes. Unabhängig vom Alter hatten Personen mit einem sehr hohen Fetuin-A-Blutwert (im Mittel 304 Mikrogramm/Milliliter) im Vergleich zu Personen mit einem niedrigen Wert (im Mittel 158 Mikrogramm/Milliliter) ein um 75 Prozent erhöhtes Diabetesrisiko. „Bei Personen mit einem erhöhten Blutzuckerspiegel war der Zusammenhang zwischen einem hohen Fetuin-A-Wert und einem erhöhten Diabetesrisiko besonders stark ausgeprägt“, ergänzt Erstautor und Mediziner Norbert Stefan. Daher könnte Fetuin-A insbesondere für Hochrisiko-Personen relevant sein. Die vorliegende Studie sowie zahlreiche andere Untersuchungen sprächen zudem für einen kausalen Zusammenhang zwischen der Fetuin-A-Konzentration im Blut und dem Diabetesrisiko. Damit könne Fetuin-A nicht nur als Diabetes-Risikomarker eine wichtige Rolle in der Diabetesprävention spielen, sondern käme auch als Ansatzpunkt für die Entwicklung neuer Medikamente in Frage, sagt Norbert Stefan. Eine Ausweitung und Verstärkung der Diabetesforschung sei angesichts der stetig wachsenden Zahl der Diabetiker dringend notwendig. *EPIC: European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition Hintergrundinformation:
Die Resultate, die durch eine Ernährungsumstellung und Bewegungsprogramme
erzielt werden, sind jedoch sehr variabel. Zudem sind Präventionsprogramme
kostspielig und zeitaufwendig und unser Gesundheitssystem kann nicht
alle Menschen mit intensiven Präventionsmaßnahmen versorgen.
Wie Forscher in dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten
TUebinger Lebensstil Interventionsprogramm (TULIP) gezeigt haben, gibt
es Menschen, die auf die üblichen Maßnahmen nicht ansprechen.
Diese sogenannten „Non-Responder“ sollten
rechtzeitig identifiziert und gegebenenfalls frühzeitig mit Medikamenten
behandelt werden. Zu der Gruppe der „Non-Responder“ zählen
vor allem Hochrisiko-Personen, die durch einen hohen Fettanteil in der
Leber, eine geringe sportliche Kondition und eine mangelnde Insulinsekretion
charakterisiert sind. Eine Risikoabschätzung anhand des Fetuin-A-Wertes
und anderer Biomarker könnte dabei helfen, Hochrisiko-Personen
rechtzeitig zu identifizieren und menschliches Leid zu verhindern. Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke
(DIfE) ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.
Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören 82 außeruniversitäre
Forschungsinstitute und forschungsnahe Serviceeinrichtungen. Diese beschäftigen
etwa 13.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Stand 12/2006). Davon
sind ca. 5.400 Wissenschaftler (inkl. 2.000 Nachwuchswissenschaftler).
Leibniz-Institute arbeiten interdisziplinär und verbinden Grundlagenforschung
mit Anwendungsnähe. Sie sind von überregionaler Bedeutung
und werden von Bund und Ländern gemeinsam gefördert. Der Gesamtetat
der Institute liegt bei mehr als 1,1 Milliarden Euro pro Jahr. Die Drittmittel
betragen etwa 225 Millionen Euro pro Jahr. Näheres unter www.leibniz-gemeinschaft.de. Kontakt:PD Dr. Norbert Stefan Prof. Dr. Dr. Hans-Georg Joost Dr. Gisela Olias
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