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25.09.07
Kombination von niedrigem Vitamin B12- und niedrigem Folat-Spiegel erhöht
das Schlaganfallrisiko
Potsdam-Rehbrücke - Ein niedriger Vitamin B12-Plasmaspiegel erhöht
besonders in Kombination mit einem niedrigen Folat-Spiegel das Risiko
für Schlaganfälle und Durchblutungsstörungen im Gehirn.
Nach Aussagen der Wissenschaftler, wird dieser Effekt zumindest teilweise
durch einen erhöhten Homocysteinspiegel vermittelt. Dies ist das
Ergebnis der Potsdamer EPIC-Studie, die von Heiner Boeing vom Deutschen
Institut für Ernährungsforschung Potsdam Rehbrücke (DIfE)
geleitet wird. Das Epidemiologenteam veröffentlichte die Studiendaten
nun in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift Stroke.
Ein erhöhter Homocysteinspiegel ist ein anerkannter Risikofaktor
für Herzinfarkt und Schlaganfall. Bereits seit längerem ist
bekannt, dass hohe Folat- und Vitamin B12-Spiegel den Homocysteinspiegel
im Blut senken können. Zudem vermindert anscheinend die längerfristige
Einnahme von Folsäurepräparaten das Schlaganfallrisiko bei
Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Derzeit ist aber ungeklärt,
ob auch bei Menschen ohne eine Vorerkrankung des Herz-Kreislauf-Systems
ein direkter Zusammenhang zwischen den Folat- und Vitamin B12-Konzentrationen
im Blut und dem Schlaganfallrisiko besteht. Die Ergebnisse der wenigen
epidemiologischen Studien, die diesen Zusammenhang untersuchten, sind
widersprüchlich.
Um zur Klärung der Datenlage beizutragen, untersuchte das Team
um Boeing in der vorliegenden Studie eine Gruppe von 967 Personen. Diese
rekrutierte sich aus Teilnehmern der Potsdamer EPIC*-Studie, bei denen
zu Beginn der Studie keine Herz-Kreislauf-Erkrankungen bekannt waren.
Bei 106 dieser Personen diagnostizierten Ärzte innerhalb des etwa
6jährigen Nachbeobachtungszeitraumes Durchblutungsstörungen
im Gehirn. Weitere 82 Personen erlitten in dieser Zeit einen ischämischen
Schlaganfall.
Im Vergleich zu Studienteilnehmern mit hohen Folat- und Vitamin B12-Werten
im Blut hatten Teilnehmer mit niedrigen Werten ein 2,2fach höheres
Risiko für Schlaganfälle und Durchblutungsstörungen im
Gehirn**. Ein niedriger Vitamin B12-Spiegel allein erhöhte das
Risiko immerhin noch um 76 Prozent. Dagegen stieg das Risiko nicht an,
wenn lediglich der Folat-Spiegel niedrig war.
„Berücksichtigten wir auch die Homocysteinspiegel der Teilnehmer,
so schwächte sich der Zusammenhang zwischen den Vitamin B 12- und
Folat-Konzentrationen und dem Risiko für zerebrale Durchblutungsstörungen
und Schlaganfälle stark ab“, ergänzt Cornelia Weikert,
Erstautorin der Studie, die Ergebnisse. Daher sei anzunehmen, dass die
Wirkung beider B-Vitamine zumindest teilweise durch ihren Einfluss auf
den Homocysteinspiegel erzielt wird.
„Nach unseren Ergebnissen ist ein niedriger Vitamin B12-Spiegel
besonders in Kombination mit einem niedrigen Folatspiegel ein entscheidender
Risikofaktor für Schlaganfälle und zerebrale Durchblutungsstörungen“,
kommentiert Boeing. „Interessanterweise stellten wir zudem fest,
dass die Studienteilnehmer mit den geringsten Vitamin B-Konzentrationen
im Blut durchschnittlich seltener Vitaminpräparate eingenommen
hatten als die anderen Teilnehmer. Weitere Studien, die die Rolle der
B-Vitamine und die Wirkung von Vitamin B-Präparaten im Hinblick
auf die Gehirnfunktion untersuchen, sind daher unserer Meinung nach
gerechtfertigt.“
* EPIC: European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition
**Der beobachtete Zusammenhang zwischen gleichzeitig geringem Folat-
und Vitamin B12-Spiegel und einem erhöhten Risiko für zerebrale
Durchblutungsstörungen war unabhängig von Bluthochdruck, BMI
(body mass index), Raucherstatus, Sport, Alkoholkonsum, Bildungsstand,
Cholesterinspiegel, Diabetes und Geschlecht.
Hintergrundinformation:
Die EPIC-Studie (European Prospective Investigation into Cancer
and Nutrition) ist eine prospektive, 1992 begonnene Studie,
die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Krebs und anderen chronischen
Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes untersucht. An der EPIC-Studie sind
23 administrative Zentren in zehn europäischen Ländern mit
519.000 Studienteilnehmern beteiligt. Die Potsdamer EPIC-Studie mit
mehr als 27.500 Studienteilnehmern/innen im Erwachsenenalter leitet
Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE).
Bei der Auswertung einer prospektiven Studie ist es
wichtig, dass die Teilnehmer/innen zu Beginn der Studie noch nicht an
der zu untersuchenden Krankheit leiden. Die Risikofaktoren für
eine bestimmte Erkrankung lassen sich so vor ihrem Entstehen erfassen,
wodurch eine Verfälschung der Daten durch die Erkrankung weitestgehend
verhindert werden kann - ein entscheidender Vorteil gegenüber retrospektiven
Studien.
Folat und Vitamin B12:
Beide Vitamine gehören zur Gruppe der B-Vitamine, sie sind wasserlöslich
und können leicht aus der Nahrung über den Darm aufgenommen
werden. Vitamin B12 und Folat sind u. a. an der Blutbildung beteiligt.
Lebensmittelquellen für Vitamin B12: Leber, Fleisch, Fisch und
Eier
Lebensmittelquellen für Folat: Blattgemüse, Salate, Vollkornprodukte,
Nüsse, Tomaten, Eigelb und Leber
Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke
(DIfE) ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Zur Leibniz-Gemeinschaft
gehören 83 außeruniversitäre Forschungsinstitute und
forschungsnahe Serviceeinrichtungen. Diese beschäftigen etwa 13.700
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Stand 12/2006). Davon sind ca. 5.400
Wissenschaftler (inkl. 2.000 Nachwuchswissenschaftler). Leibniz-Institute
arbeiten interdisziplinär und verbinden Grundlagenforschung mit
Anwendungsnähe. Sie sind von überregionaler Bedeutung und
werden von Bund und Ländern gemeinsam gefördert. Der Gesamtetat
der Institute liegt bei mehr als 1,1 Mrd. Euro pro Jahr. Die Drittmittel
betragen etwa 225 Mio. Euro pro Jahr. Näheres unter www.leibniz-gemeinschaft.de.
Kontakt:
Professor Dr. Heiner Boeing
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Abteilung Epidemiologie
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
D-14558 Nuthetal
Tel.: ++49 (0)33200 88 710
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