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Pressemitteilungen

2006
 

19.09.06

Pressemitteilung 15/2006

Darmbakterien wandeln Lebensmittelinhaltsstoff in mutagene Substanz um

 

Darmbakterien können Arbutin, das in einer Reihe von Lebensmitteln enthalten
ist, in Hydrochinon umwandeln, eine mutagene Substanz, die im Tierversuch
Krebs auslösen kann. Dieses Untersuchungsergebnis veröffentlichte vor kurzem
das Wissenschaftlerteam um Professor Michael Blaut und Professor Hans-Rudolf
Glatt vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke
(DIfE) in der Fachzeitschrift Food and Chemical Toxicology.

"Ob und welche Rolle dieser Prozess für die Entstehung von Darmerkrankungen
wie beispielsweise Darmkrebs spielt, können wir zum derzeitigen Zeitpunkt
nicht sagen. Wir haben daher weitere Experimente in Angriff genommen, die
zur Klärung dieser Fragen beitragen sollen," kommentiert Michael Blaut,
Leiter der Abteilung Gastrointestinale Mikrobiologie die Ergebnisse.

Seit längerem ist bekannt, dass der menschliche Körper 64 bis 75 Prozent des
aus der Nahrung aufgenommenen Arbutins zu Hydrochinon-Derivaten abbaut und
mit dem Urin ausscheidet. Wo und wie Arbutin während des Abbauprozesses im
Körper in das mutagene Hydrochinon umgewandelt wird, war bislang jedoch
nicht bekannt.

Das Forscherteam um Blaut und Glatt konnte nun zeigen, dass der menschliche
Stuhl Darmbakterien enthält, die innerhalb von 24 Stunden Arbutin
vollständig in Hydrochinon umwandeln können. Zudem fanden die
Wissenschaftler Hinweise darauf, dass mit der Nahrung aufgenommenes Arbutin
nicht nur in den Dünndarm, sondern auch in den mit Bakterien dicht
besiedelten Dickdarm gelangt. Nimmt man viel Arbutin über Lebensmittel auf,
könnten somit im Dickdarm relevante Hydrochinon-Mengen freigesetzt werden.

Zu den Lebensmitteln, die Arbutin in höheren Konzentrationen enthalten,
zählen Weizenprodukte und Birnen. "Eine Portion* Birnen kann beispielsweise
bis zu 4,8 mg Arbutin enthalten, das besonders in der Schale angereichert
ist," so Hans-Rudolf Glatt, Leiter der Abteilung Ernährungstoxikologie.
"Daher sollten Menschen, die oft und viele Birnen essen, die Birnen vor dem
Verzehr lieber schälen."

* eine Portion Birnen entspricht etwa 180 Gramm

Blaut et al., Mutagenicity of arbutin in mammalian cells after activation by
human intestinal bacteria. Food and Chemical Toxicology, 2006 [Epub ahead of
print].

Zusätzliche Hintergrundinformation:

Arbutin:
Bärentrauben-Blätter-Extrakte werden zur Behandlung von Harnwegsinfektionen
eingesetzt. Die Wirkung beruht vermutlich auf dem hohen Arbutin-Gehalt der
Extrakte und folgendem Mechanismus: Der Körper baut Arbutin zu
Hydrochinon-Derivaten ab, die in den Urin gelangen. Dort nehmen die
infektiösen Bakterien die Abbauprodukte auf und wandeln sie intrazellulär in
Hydrochinon um, wodurch sie sich selbst vergiften und absterben.
Ebenso vermutet man, dass Arbutin Pflanzen vor Infektionskrankheiten, wie
beispielsweise dem Feuerbrand, schützt. Hierbei handelt es sich um eine sehr
gefährliche, meldepflichtige Krankheit an Kernobstarten, verursacht durch
Erwinia amylovora.

Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) ist
Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören 84
außeruniversitäre Forschungsinstitute und forschungsnahe
Serviceeinrichtungen. Leibniz-Institute arbeiten interdisziplinär und
verbinden Grundlagenforschung mit Anwendungsnähe. Sie sind von
überregionaler Bedeutung und werden von Bund und Ländern gemeinsam
gefördert. Näheres unter www.leibniz-gemeinschaft.de.

Kontakt:

Professor Dr. Michael Blaut
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Abteilung Gastrointestinale Mikrobiologie
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
D-14558 Nuthetal
Tel: ++49 (0)33200-88-470
E-Mail: blaut@dife.de

Professor Dr. Hans-Rudolf Glatt
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Abteilung Ernährungstoxikologie
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
D-14558 Nuthetal
Tel: ++49 (0)33200-88-417
E-Mail: glatt@dife.de

Dr. Gisela Olias
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
D-14558 Nuthetal
Tel.: ++49 (0)33200-88-278/-335
E-Mail: olias@dife.de


 



 


 

 

 

 


 
     
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