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14.06.05
Pressemitteilung 9/2005
Sperrfrist: Dienstag, 14. Juni 2005, 22:00 Uhr CEST
Fleisch steigert, Fisch senkt das Darmkrebsrisiko
Wer täglich auf Schinken und Bratwurst besteht, erhöht
sein Darmkrebsrisiko deutlich. Kommt dagegen häufig Fisch auf den
Tisch, ist das Risiko an Darmkrebs zu erkranken abgesenkt. Frühere
Untersuchungsergebnisse hatten bereits auf diese Zusammenhänge
hingewiesen – die Auswertung einer Studie mit rund einer halben
Million Teilnehmern bestätigt nun die Vermutung.
Die Studienteilnehmer aus zehn verschiedenen europäischen Ländern
lassen sich seit 1992 im Rahmen von „EPIC“ (European
Prospective Investigation into Cancer and Nutrition) zu ihren
Ernährungsgewohnheiten und Lebensumständen befragen. Diese
Daten werden auf ihren Zusammenhang mit dem Auftreten neuer Krebsfälle
bei den Teilnehmern untersucht. In Deutschland sind das Deutsche
Krebsforschungszentrum in Heidelberg sowie das Deutsche
Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke als
EPIC-Studienzentren beteiligt.
Epidemiologen aus der EPIC-Koordinationszentrale, dem International
Agency for Research on Cancer in Lyon, veröffentlichten nun zusammen
mit Kollegen aus anderen EPIC-Zentren die Ergebnisse zur Beziehung des
Fleisch- und Fischverzehrs zum Darmkrebsrisiko. Die Analyse stützt
sich auf 1329 Rektum- und Dickdarmkrebsfälle, die seit Studienbeginn
bei den Teilnehmern erstmalig diagnostiziert worden sind.
Studienteilnehmer, die viel so genanntes „rotes“ Fleisch
(dazu zählen Schweine-, Rind-, Kalb- und Lammfleisch) oder Fleischprodukte
aßen, erkrankten häufiger an Darmkrebs als Menschen, die
nur wenig davon verzehrten. Genau umgekehrt verhält es sich mit
Fisch: Wer viel Fisch verzehrte, hatte gegenüber Personen mit geringem
Fischkonsum ein deutlich niedrigeres Darmkrebsrisiko. Der Verzehr von
Geflügelfleisch spielte für die Erkrankungshäufigkeit
keine Rolle.
Nach Schätzungen der Forscher steigt das Darmkrebsrisiko pro 100
Gramm täglich verzehrtem „roten“ Fleisch um 49%. Bei
einer Erhöhung des Wurstverzehrs um 100 Gramm am Tag würde
es sogar um 70% steigen. Täglich 100 Gramm mehr Fisch halbieren
dagegen das Erkrankungsrisiko.
Bei diesen Werten ist der Einfluss verschiedener Faktoren wie Geschlecht,
Körpergewicht, Alkoholkonsum, Sport oder Rauchen auf das Erkrankungsrisiko
berücksichtigt. Zusätzlich wurden die Daten mit einem Verfahren
bearbeitet, das Ungenauigkeiten durch die Angaben der Studienteilnehmer
zu ihren Ernährungsgewohnheiten vermindert.
Die Wissenschaftler liefern verschiedene Erklärungen für den
Einfluss des Fleisch- und Fleischwarenkonsums auf die Darmkrebsentstehung.
Neuere Studien weisen darauf hin, dass mit dem Fleisch aufgenommenes
Eisen zur Risikoerhöhung beitragen könnte, da Eisen die Bildung
schädlicher Nitroso-Verbindungen im Körper fördern kann.
„Rotes“ Fleisch oder Fleischwaren haben im Durchschnitt
einen höheren Eisengehalt als Geflügel, weshalb dessen Verzehr
das Darmkrebsrisiko in dieser Studie nicht beeinflusst haben könnte.
Ursache für die schützende Wirkung des Fischverzehrs könnten
bestimmte langkettige, mehrfach ungesättigte Omega-3-Fettsäuren
sein.
In Bezug auf Fleisch und Fleischprodukte bestätigen die jetzigen
Ergebnisse die Hinweise aus früheren Studien. Ebenso deuten sie
erneut auf eine positive Rolle von Fisch in der menschlichen Ernährung,
kommentieren Professor Heiner Boeing und Privatdozent
Dr. Jakob Linseisen, die EPIC-Studienleiter in Potsdam und
Heidelberg, die Resultate. Diese Ergebnisse sollten uns hellhörig
werden lassen, meinen die beiden Experten: Deutschland liegt in Europa
beim Konsum von Wurstwaren ganz vorn. So würden wir am meisten
von einer Einschränkung des Wurstverzehrs profitieren.
Abdruck gestattet – Belegexemplar erbeten!
Teresa Norat et al.: Meat, Fish and Colorectal Cancer Risk: The European
Prospective Investigation into Cancer and Nutrition. The Journal of
the National Cancer Institute, Vol. 97, June15, 2005
Hintergrundinformation
EPIC (European Prospective Investigation
into Cancer and Nutrition)-Studie: eine prospektive,
1992 begonnene Studie, die Zusammenhänge zwischen Ernährung
und Krebs und anderen chronischen Erkrankungen aufdeckt. 23 administrative
Zentren in zehn europäischen Ländern mit 519.000 Studienteilnehmern
sind an der Studie beteiligt. Die EPIC-Studie wird von Dr. Elio
Riboli (International Agency on Research of Cancer, Lyon, Frankreich)
koordiniert. Die Potsdamer EPIC-Studie, an der 27.548 Frauen und
Männer im Alter zwischen 35 und 65 Jahren teilnehmen, leitet
Professor Dr. Heiner Boeing.
Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung
(DIfE) Potsdam-Rehbrücke ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.
Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören 84 außeruniversitäre
Forschungsinstitute und Serviceeinrichtungen für die Forschung.
Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur-
und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und
Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute
arbeiten interdisziplinär und verbinden Grundlagenforschung
mit Anwendungsnähe. Sie sind der wissenschaftlichen Exzellenz
verpflichtet und pflegen intensive Kooperationen mit Hochschulen,
Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Das externe
Begutachtungsverfahren der Leibniz-Gemeinschaft setzt Maßstäbe.
Jedes Leibniz-Institut hat eine Aufgabe von gesamtstaatlicher
Bedeutung. Bund und Länder fördern die Institute der
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rund 12.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und haben einen Gesamtetat
von 950 Millionen Euro. Näheres unter www.leibniz-gemeinschaft.de. |
Kontakt:
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Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Dept. of Epidemiology
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
D-14558 Nuthetal
Germany
Tel: ++49 (0)33200 88 710
Email: boeing@dife.de |
PD Dr. Jakob Linseisen
Deutsches Krebsforschungszentrum
(DKFZ)
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Im Neuenheimer Feld 280
D- 69120 Heidelberg
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Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
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Arthur-Scheunert-Allee 114-116
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Dr. med. Julia Rautenstrauch
Deutsches Krebsforschungszentrum
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