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12.05.05
Pressemitteilung 8/2005
Obstreiche Ernährung senkt Typ-2-Diabetesrisiko um 70%
Wer viel frisches Obst isst und gleichzeitig wenig Fleisch, Hülsenfrüchte,
helles Brot, Bier sowie kalorienreiche Erfrischungsgetränke konsumiert,
hat ein um 70% niedrigeres Risiko an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Dies
zeigen neue Ergebnisse der EPIC (European Prospective Investigation
into Cancer and Nutrition)-Potsdam-Studie, die ein Forscherteam unter
der Leitung von Professor Dr. Heiner Boeing vom Deutschen Institut für
Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) veröffentlichte
(Heidemann et al., 2005, Diabetologia Vol. 48, ab 12.05.2005 als „Online
First“-Publikation beim Springer-Verlag Heidelberg erhältlich).
In der vorliegenden Untersuchung werteten die Wissenschaftler die Ernährungsgewohnheiten
und medizinischen Daten von 192 neuerkrankten Typ-2-Diabetikern und
382 Kontrollpersonen aus. Sie untersuchten zunächst, welche Lebensmittelkombinationen
(Lebensmittelmuster) mit den Blutwerten von Biomarkern, die das Typ-2-Diabetesrisiko
vorhersagen, verbunden waren. Dabei konnte ein Lebensmittelmuster identifiziert
werden, das mit hohen HDL-Cholesterin- und Adiponectin-Werten und niedrigen
HbA1c- und CRP-Konzentrationen im Blut der Personen in Zusammenhang
stand. Dieses Lebensmittelmuster ist besonders durch den Verzehr von
acht Lebensmittelgruppen charakterisiert. Es umfasst die Kombination
von viel frischem Obst und wenig kalorienhaltigen Erfrischungsgetränken,
Bier, rotem Fleisch, Geflügel, Wurstwaren, Hülsenfrüchten
und hellem Brot. Personen, die sich durch eine solche Ernährungsweise
auszeichneten, hatten nach Auswertung der epidemiologischen Daten ein
deutlich reduziertes Typ-2-Diabetesrisiko. Der beobachtete Zusammenhang
zwischen Lebensmittelmuster und verringertem Diabetesrisiko war unabhängig
von BMI (body mass index), Raucherstatus, Freizeitaktivitäten,
Energieaufnahme, Bildungsstand, Alter und Geschlecht.
Die Forscher konnten aus dem ermittelten Lebensmittelmuster bislang
noch keine Rückschlüsse auf eine besondere Rolle von einzelnen
Nährstoffen wie z. B. Fetten und Kohlenhydraten für das Diabetesrisiko
ziehen. Dies entspricht dem gegenwärtigen Kenntnisstand der WHO
(World Health Organisation), wonach die in Verbindung mit Diabetes diskutierten
Nährstoffe, d. h. gesättigte Fette und Ballaststoffe, nicht
zweifelsfrei mit dem Diabetesrisiko assoziiert sind. Die Wissenschaftler
um Professor Boeing erwarten aber aufschlussreiche Ergebnisse aus zukünftigen
Auswertungen der Studie.
2486 Zeichen (inklusive Leerzeichen), Abdruck gestattet – Belegexemplar
erbeten!
Hintergrundinformation
Der Typ-2-Diabetes wurde früher
auch als „Altersdiabetes“ oder "nicht insulinabhängiger
Diabetes" bezeichnet, da er in der Regel nur bei älteren
Menschen auftrat. Heute findet sich diese Form des Diabetes zunehmend
auch bei übergewichtigen Kindern und Jugendlichen. Fachleute
rechnen damit, dass die Zahl der Typ-2-Diabetiker in den nächsten
Jahren noch weiter steigen wird.
Biomarker sind in biologischen Proben gemessene
Parameter, die ein Erkrankungsrisiko voraussagen können.
Adiponectin ist ein vom Fettgewebe produziertes
Protein, das die Wirkung von Insulin verstärkt. Niedrige
Serumkonzentrationen sind ein Risikofaktor für die spätere
Entstehung des Diabetes mellitus. Erhöhte Blutwerte des Entzündungsmarkers
C-reaktives Protein (CRP) sind sowohl mit dem
Risiko für die Entwicklung eines Diabetes als auch mit dem
für künftige kardiovaskuläre Ereignisse korreliert.
HDL-Cholesterin ist ein Biomarker mit Bezug auf
den Fettstoffwechsel. Niedrige HDL-Cholesterin-Werte sind mit
Typ-2-Diabetes assoziiert. Anhand des HbA1c-Wertes
kann der mittlere Blutzuckerwert für die letzten 2–3
Monate abgeschätzt werden. Hohe Werte deuten auf eine beginnende
oder bereits bestehende Diabeteserkrankung.
EPIC (European Prospective Investigation into Cancer
and Nutrition)-Studie: eine prospektive, 1992 begonnene
Studie, die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Krebs
und anderen chronischen Erkrankungen aufdeckt. 23 administrative
Zentren in zehn europäischen Ländern mit 519.000 Studienteilnehmern
sind an der Studie beteiligt. Die EPIC-Studie wird von Dr. Elio
Riboli (International Agency on Research of Cancer, Lyon, Frankreich)
koordiniert. Die Potsdamer EPIC-Studie, an der 27.548 Frauen und
Männer im Alter zwischen 35 und 65 Jahren teilnehmen, leitet
Professor Dr. Heiner Boeing.
Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung
(DIfE) Potsdam-Rehbrücke ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.
Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören 84 außeruniversitäre
Forschungsinstitute und Serviceeinrichtungen für die Forschung.
Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur-
und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und
Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute
arbeiten interdisziplinär und verbinden Grundlagenforschung
mit Anwendungsnähe. Sie sind der wissenschaftlichen Exzellenz
verpflichtet und pflegen intensive Kooperationen mit Hochschulen,
Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Das externe
Begutachtungsverfahren der Leibniz-Gemeinschaft setzt Maßstäbe.
Jedes Leibniz-Institut hat eine Aufgabe von gesamtstaatlicher
Bedeutung. Bund und Länder fördern die Institute der
Leibniz-Gemeinschaft daher gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen
rund 12.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und haben einen Gesamtetat
von 950 Millionen Euro. Näheres unter www.leibniz-gemeinschaft.de. |
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